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01-10-13

WIE EIN SCHWEIZER NACH STALINGRAD GELANGTE UND ICH AUF DIE KINOLEINWAND


Philippe und ich saen krzlich im Kino. Beide spielten wir in dem Film, den wir gerade sahen, selbst mit. Er in der Hauptrolle, ich in einem kleinen Gastauftritt.

Philippe Reinhardt ist Schweizer, hat groe dunkelblaue Augen, und er ist ein groartiger Schauspieler. Im Gegensatz zu mir. Ich bin gar kein Schauspieler. Ich habe es nur wieder einmal nicht lassen knnen, sofort zuzusagen, als Regisseur Markus Boestfleisch damals angerufen hatte, ob ich spontan ein paar Stze in seinem Film bernehmen knnte.

Nun also saen wir in unseren Kinosesseln, und der Moment, an dem meine Szene kommen sollte, rckte nher und nher. 

http://david-baum.gq.de/post/62798690042/philippe

Whrenddessen erinnerte ich mich an den chaotischen Dreh, der immerhin fast drei Jahre her ist. Damals marschierte ich in eine Wohnung direkt ber dem �Kingsize�, diesem kleinen Technoclub in der Berliner Friedrichstrae. Philippe hatte gerade eine Knutschszene mit seiner Filmpartnerin zu drehen, im Anschluss sollte ich dran sein. Da es zu kurzfristig gewesen wre, einen Text auswendig zu lernen, hatte mir der Regisseur blo eine kleine Beschreibung der Szene gegeben, den Rest sollte ich aus dem Stegreif erledigen. Als Philippe endlich fertig geknutscht hatte und meine Rolle, als Leiter einer Drogenentzugsklinik dran gewesen wre, begann der DJ im �Kingsize� mit der Musik. �Tzntzntzntznpmppmpmpm� drhnte es aus dem Unterstock herauf. Meine Szene war frs erste gestorben. Am Tag darauf konnte endlich gedreht werden. Ich wei nur noch, dass ich einfach drauflos geplappert hatte, unendelichen Stuss. Leider war Philippe an diesem Tag gar nicht am Set, weshalb wir dann nachtrglich zusammengeschnitten worden waren. Er wusste also gar nicht, was da kam.

Endlich war es im Kino so weit. Ich sah mein Gesicht auf der riesigen Leinwand und hrte mich diesen unglaublichen Unsinn daherschwadronieren. Und es hrte gar nicht mehr auf. Das Kino begann zu kichern, manche lachten laut. Ich rutschte unsicher auf meinem Sessel hin und her. Dann gab es Szenenapplaus. Philippe stie mich mit dem Ellenbogen in die Seite und sagte: �Du Arsch, Du hast mir die ganze Show gestohlen.� Noch nie im Leben, habe ich es so genossen, als Arsch bezeichnet zu werden. 


Am Ende gab es viel Applaus, gerechterweise natrlich vor allem fr Philippe und die anderen richtigen Darsteller. Danach feierten wir zusammen mit dem ganzen Cast und schlielich mit dem ganzen Mnchner Filmfest und waren recht selig. Vor allem Philippe, der gerade von einem anderen Dreh aus St. Petersburg zurckgekehrt war. Der russische Starregisseur Fjodor Bondartschuk hat die Schlacht um Stalingrad neu verfilmt. Diesmal aus Sicht der Russen, Heiner Lauterbach, Thomas Kretschmann und Philippe spielen deutsche Soldaten.

Ich bestellte ein paar Wodka, Philippe bestellte Wasser und begann zu erzhlen. �Sie konnten natrlich nicht alle deutschen Rollen mit deutschen Darstellern besetzen�, sagte er. �Deshalb haben sie fr die Statisten Russen genommen. Wir saen also in den Drehpausen und an den Abenden zusammen und da baten mich die russischen Kollegen, ihnen deutsche Befehle beizubringen. Das war vielleicht seltsam, als Schweizer mit ein paar Russen da in diesem bengstigenden Stalingrad-Set zu stehen und Aaaaaachtung!, Stilllllgestaaandn! und andere Wehrmachtsbefehle zu brllen.�

berhaupt stelle ich mir das seltsam vor, als deutscher Schauspieler luft man doch mindestens einmal im Jahr in Naziuniform herum. Da lachte Philippe.

�Ja das stimmt, aber Sergei Besrukow, der russische Filmstar, mit dem ich einmal gearbeitet habe, erzhlte mir, er habe sogar einen Dreh mit Brad Pitt abgelehnt. Als ich ihn fragte weshalb, zuckte er blo mit den Schultern und meinte, weil er die Nase voll habe, immer nur gemeine, dumme Sowjets spielen zu mssen. Denen geht es also auch nicht viel besser.�  

Andrerseits, dachte ich mir, ist es doch eine gute Zeit, in der russische, deutsche und schweizerische Schauspieler nachts irgendwo vor St. Petersburg sitzen und sich gegenseitig beim Rollenlernen helfen � sei es auch blo Nazigebrlle. 

�Stalingrad� hat heute Weltpremiere in Russland, wurde bereits als russischer Beitrag fr den Auslands-Oscar nominiert und soll Ende des Jahres in die deutschen Kinos kommen.

�Simplify Your Soul� von Markus Boestfleisch mit Philippe Reinhardt und ein bisschen auch mit mir hat schon Preise bei Filmfestivals in Riga und Berlin gewonnen und luft sicher auch noch irgendwann mal in den deutschen Kinos.

allegati:

 

 

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